Siebzigeinviertel

19. Mär 2019, 10:32
Er zählt die Häupter seiner Lieben
und sieht erfreut, es sind fast alle da.
Die einen jung, die andren jung geblieben
und alle stehen seinem Herzen nah.

Sie sind gekommen für den Festgestalter:
Siebzigeinviertel, Josef, alles Gute!
Doch feiern bitte was? Mich selbst? Mein Alter?
Mir ist zu feiern wirklich nicht zu mute.

Das Älterwerden ist doch kein Geschehen,
mit dem man sich verdienstvoll schmücken kann.
Die Tage kommen und die Tage gehen
und eines Tages fängt kein neuer an.

So ist denn dieser Tag ein Tag der Trauer,
des Abschiednehmens, der Ergebenheit?
Mitnichten, denn auch diese Dauer
bis zum Dahin ist unbekannte Zeit.
So gilt es, die Zusammenkunft zu nutzen,
um in der abgelebten Zeit zu lesen,
den alten Körper und den Geist zu putzen
und Dank für das zu sagen, was gewesen:

Für jeden Tag, der mir gegeben wurde,
um mich allein und mit Euch zu erfahren -
das in mir Schöne, Böse, Wahre und Absurde.
Und für das Wachsen mit den Lebensjahren.

Ein wenig ist mir bange vor der Wende.
Noch weiß ich nicht, wohin sie führen wird
und werde wohl erkennen erst am Ende,
was in mir fühlt und denkt und hofft und irrt.

Doch bis dahin, seid alle fest umschlungen,
sei dieser Tag uns lieb, der nächste auch.
Lasst Lust und Freude in die Lungen
in Aug und Ohr, ins Herz und in den Bauch.

Heimwärts

Lesebuch
mit Gedichten von Josef Newerkla,
und Bildern von Prof. Willibald Zahrl
Verlag Berger Horn, 256 Seiten, 37 Abbildungen, humorvoll, besinnlich, gediegen,
Preis: € 25,--
beim Autor und in jedem guten Buchhandel.

Daher vorerst keine aktuellen Texte auf der Homepage.

 

Erscheinungstag: 18.02.2019