Werdegang

8. Dez 2016, 21:10
Begonnen hat das Christkindlein
als Krippenkind, ganz zart un klein.
Es war, erzählte man sich froh,
ein Knäbelein in Heu und Stroh.

Doch bald schon wurde mit der Zeit
der Kleine dann im weißen Kleid
geschlechtsverwandelt, luppenrein,
vom Knäbelein zum Mägdelein.

Kaum war man dieses dann gewöhnt
und mit dem Wechsel ausgesöhnt,
da hat sich um die Heil'ge Nacht
ein neuer Wandel breit gemacht.
Des Christkinds weibliche Gestalt,
die wurde wieder männlich alt,
und zeigt sich in der Gegenwart
als Weihnachtsmann mit Rauschebart!

Und die Moral von der Geschicht?
Dem Zeitenlauf entkommt man nicht.
Ob Knabe oder Mägdelein,
das Alter holt uns alle ein.

07.12.2016

Herbergsuche

1. Dez 2016, 13:15
Es war einmal ein kleines Kind
in einem Stall zwischen Esel und Rind,
das hat in langen Zeiten, in alten,
die ganze Welt zusammengehalten.

Es war ein Bild voll Kraft und Gehalt,
das Schutz geboten vor Zwist und Gewalt,
ein Glaubensgral in des Abendlands Mitte
und die Wurzel von Brauchtum und Sitte.

Dann kamen Technik und Wissenschaft
und haben den Glauben hinweggerafft.
Das Brauchtum alleine ist uns geblieben
und hat sich dem Kommerz verschrieben.

Das Glaubenslose herrscht nun global
und nennt sich wertfrei und liberal.
Doch das Tun ohne Glaube, ja selbst das Singen
bringt ohne Sinn keine Seele ins Schwingen.

Es geht beim Glauben nicht gezielt
um das Kind im Stall und das Krippenbild,
es geht um ein achtsames Hören und Schauen
und stille sein im Gottvertrauen.

Das ist Advent, das macht uns bereit
für die frohe, die fröhliche Weihnachtszeit,
wo drei Tage nach der längsten Nacht
uns wieder neue Hoffnung lacht.

 

01.12.2016

Punsch-Rezept

22. Nov 2016, 11:32
Man nehme fünfzehn Flaschen Wein,
(er kann schon durchaus älter sein,
von jener Sorte, die als Bürde
ansonsten weggeschüttet würde)
und gebe soviel Zucker rein,
bis man ihn nicht mehr schmeckt, den Wein.

Dann wird das Zeug mit Tee gestreckt
und mit Gewürzen abgeschmeckt.
Zitronen braucht er letztlich keine,
denn sauer ist er von alleine.
Orangensaft ist man ihm willig,
zwei Tetrapack, denn die sind billig.

Dann stellt man sich damit ans Eck
Und hält ihn feil für’n guten Zweck,
für teures Geld im Plastikbecher
und füttert so manch stillen Zecher.

Fehlt dem Advent auch Eis und Schnee,
eins ist uns sicher: Schädelweh!

22.11.2016

Advent

22. Nov 2016, 11:31
Es eilt die Zeit. Es lärmt der Markt.
Die Zeichen stehn auf Herzinfarkt.
Es gilt zu tun, wovon man lebt.
Das Jahr wird gar. Der Sinn entschwebt.

Was sich begab, begibt sich nicht,
nicht mehr, nein, es entschwindet schlicht.

Und wir als Panther hinterm Zaun,
wir trotten, ohne aufzuschaun,
dem Lemming nach, der vor uns rennt
und ziehen so durch den Advent.

Am Weihnachtsabend stellt sich dann
die Frage: Wer von uns kommt an?

08.12.2016

Vormals und heute

12. Nov 2016, 10:24
Der alte Advent war mystisch und dunkel,
war voller Erwartung, auf was auch immer,
auf das weihnachtliche Lichtergefunkel,
auf den duftenden Baum im warmen Zimmer,
auf das Knistern im Ofen, das Flackern der Kerzen,
die leuchtenden Augen, das fröhliche Scherzen,
die ersten Kekse auf Großmutters Teller
und eine der Flaschen, der besten, vom Keller.

Der alte Advent war in späteren Jahren
das Erkennen des Kreislaufs von Gehen und Werden,
war den Wandel der Zeiten im Alltag erfahren,
war das Lernen des Augenblicks hier auf Erden,
war stilles Ergeben und bereit sein zum Lassen,
ein horchen und staunen und staunend erfassen,
ein kraftvolles Wachsen und bereit sein zum Halten
und Wiedererwachen und Neugestalten.

Der neue Advent hat uns vieles genommen,
das heißt, wir haben es nehmen uns lassen.
Das Mystische ist in den Lichtern verkommen
und wir beginnen das Schenken zu hassen
und kaufen trotzdem auf Treu und Glauben,
um dem Wandel der Zeiten die Zeit zu rauben.
Doch die Zeit bleibt nicht stehn und sie lässt sich nicht wenden.
Wenn wir das nicht achten, wo wird das enden?

12.11.2016

Therapie

11. Nov 2016, 16:00
„Wir machen“, sagt der Therapeut,
„ganz leichte Übungen nur heut.
Sie setzen sich ganz locker hin
und ziehn die Knie an das Kinn.

Dann nehmen Sie die linke Hand
und dehnen wie ein Gummiband
die rechte Wade hinterm Rücken
und suchen sich jetzt so zu bücken.

Für jene, die das schwierig finden,
die dürfen Hand und Fuß verbinden,
indem sie hinterrücks durchgreifen
und dabei ihren Po versteifen.

Jetzt strecken Sie den Kopf heraus
und atmen ein und atmen aus....
Sie bleiben ganz entspannt und heiter –
Und morgen machen wir da weiter!“

11.11.2016

Hinweis

11. Nov 2016, 15:58

Die Welt, sagt man, ist stets auf Sprung
und durch und durch Veränderung.
Man sieht’s am eignen Körperbau
vom Kleinkind bis zur alten Frau.
(Bei Männern nennt sich’s Tattergreis.)
Das Haar wird farbig oder weiß.
Und auch der Geist beim Tattergreise,
der wird verblödet oder weise.

Es ändert sich die Sicht der Dinge.
Manch Schlanker wird zum Herrn der Ringe;
Und nach der Scheidung ist Irene
auf einmal neu und heißt Marlene.
Das, was man einstmals wollt erstreben,
macht plötzlich keinen Sinn im Leben.
So ändert sich von Mal zu Mal
Symbolik, Ethik und Moral.
Selbst Einstein sich darauf berief:
Konstante, die sind relativ.

Wenn alles stets im Umbruch ist,
Verträge bloß der Reißwolf frisst,
wenn Zeiten eilen oder schleichen,
gesund und krank die Hand sich reichen,
Versprechungen hinweg sich heben
und wir in steter Wirrnis leben,
da hilft, um dieses Bild zu wenden
und in Verzweiflung nicht zu enden,
ein Anhaltspunkt, ein kleiner Trick:
Zu leben bloß im Augenblick!

 

07.11.2016

November

11. Nov 2016, 15:57

Das alte Jahr hat grauen Star
und sieht nur mehr verschwommen.
Noch gestern sah es hell und klar.
Das Übel ist, wie sonderbar,
jäh über Nacht gekommen.

Solch Unding legt sich aufs Gemüt
und lässt die Seele weinen.
So sehr es sich auch noch so müht,
das Feuer flackert - und verglüht
im Großen wie im Kleinen.

Noch steht der Schritt zum Ende hin
bevor und will erst werden.
Doch kommt er täglich in den Sinn
und lässt mich ahnen, was ich bin:
Ich bin nur Gast auf Erden.

 

06.11.2016

Allerseelen

11. Nov 2016, 15:56

Die Bäume ducken sich ins fahle Licht.
Die Kühle kriecht herein von Norden.
Der Atem steht. Die Stille spricht.
Die Welt ist eng geworden.

Die Gräber zieren sich mit buntem Tand.
Die Dunkelheit will schier verbrennen.
Die Toten reichen sich die Hand
und scheinen sich zu kennen.

Die Lebenden nur sind sich gänzlich fremd,
die Brauchtum pflegen oder glauben,
wie Jedermann im Büßerhemd.
Am Kriegerdenkmal hocken Tauben.

Die Ruhe flieht. Kaum, dass die Kerze brennt,
ist Zeit es, sich davonzustehlen.
Der Nebel bleibt. Und er benennt
das Ende aller Seelen.

 

01.11.2016

Gedanken in einer Stiftskirche

5. Aug 2014, 11:11
(bestätigt beim Betrachten einer Blüte im Klostergarten)

Gott Vater und Mutter und alles in allen,
Du Schöpfer von allem, von Raum und von Zeit,
wie groß sind die Dome und heiligen Hallen,
gebaut und geweiht Deiner Herrlichkeit.

Und doch, wie entstellen sie Deine Größe,
die Fülle und Deine Bescheidenheit,
das Sterben am Kreuz und des Kindes Blöße,
das Sinnen nach Sinn und die Sinnlichkeit.

Nicht find ich Dich in den geheiligten Mauern,
in kunstvollen Bildern und Architektur.
Ich weiß Dich im Menschen, im Herrscher, im Bauern,
am nächsten jedoch in der weiten Natur.

Franz Braindl

zum 90. Geburtstag bzw. zum Totengedenken vierzehn Tage später:

Oberhöflein, 03.05.2014

Lieber Franz!

Warst als Jüngling voller Illusionen,
unbesiegbar und in Träumen groß,
nahmst das Göttliche in Pflicht, Dich zu belohnen
und warst im Erleben grenzenlos.

Bist auf Deinem Motorrad gesessen,
allen Großen dieser Welt voraus,
doch die große Welt und ihre Interessen
boten Dir zu wenig Bühne und Applaus.

Drum, nach Sturm und Drang und manchen Wunden,
auf der Suche nach dem wahren Sein,
hast Du in Maria es gefunden
und mit ihr zuletzt hier in Höflein.

Tausend Masken hast Du stolz getragen,
warst das pralle Leben und der Tod.
Fröhlich sein und andre unterhalten,
war Dir Pflicht und innerstes Gebot.

Dort, wo andere verloren trieben,
warst Du erst so recht im Element,
hast so manche Stücke neu geschrieben,
denn ein Braindl keine Hänger kennt.
Ob im Leben, ob bei Bühnenschwänken,
im Erfolg, doch selbst noch im Malheur
war es Dir gegeben, Dich zu schenken,
bliebst Du stets Galan und Grandseigneur.

Mögest Du in jene Liebe münden,
wenn Dein Strom sich mit dem Meer vereint,
die zu leben und auch zu verkünden
Dir als Wichtigstes erschien – und scheint.

27.05.2014

Hast als Tod dem Jedermann befohlen,
hinzutreten vor das Höchstgericht.
Nun war er gesandt, Dich abzuholen,
stehst jetzt selbst vor Gottes Angesicht.

Doch ich denk: Er ist mit Dir zufrieden.
Du stehst da und freust Dich ungeniert
und verziehst noch einmal Deine Mienen
und die Schar der Engel applaudiert.

Diesseits, Jenseits sind Gedankenkreise,
nur in diesen wird uns Abschiedsschmerz.
Du bleibst mir präsent auf Deine Weise,
eingebrannt als Vorbild in mein Herz.

In Liebe und Dankbarkeit ...
Dein Josef

Begängnis

Zu meinem 60. Geburtstag habe ich geschrieben:

Am 16. Dezember 1948 wurde ich geboren
und verlor keinen Gedanken über Sechzigjährige

Mit Zehn waren mir Sechzigjährige piepegal,
außer meine Großeltern und die fand ich sehr lieb.

Mit Zwanzig dachte ich über einen Sechzigjährigen:
„Der macht es auch nicht mehr lang!“

Mit Dreißig schien mir, dass ein Sechzigjähriger
ziemlich alt ausschaut.
Mit Vierzig dachte ich über einen Sechzigjährigen,
dass der noch gar nicht so alt ausschaut, wie er ist.

Mit Fünfzig meinte ich dann, dass sich der eine oder andere Sechzigjährige für sein Alter ganz gut gehalten hat.

Damals habe ich mir die Frage gestellt: Wie fühlt sich ein Sechzigjähriger?
Ich kann Euch heute bereits die Antwort geben wie sich ein im Dezember 65 werdender fühlt:
Kurze Antwort: Es geht.
Eingehender betrachtet kann man sagen: Es geht abwärts. Dabei braucht sich keiner übergangen fühlen. Das geht jedem so; eigentlich schon seit der Geburt. In den ersten vierzig Jahren denkt man ja nur, dass es aufwärts geht. Dann hofft man, dass es noch aufwärts geht, dann redet man sich ein, dass es noch aufwärts gehen könnte, dann ist man zufrieden, dass es immer noch geht und zuletzt, spätestens mit dem Berufsaustieg folgt dann die Erkenntnis: Es geht.
Es geht schwerer bergauf und leichter bergab.
Es geht öfter zum Arzt als nach Mariazell.
Es geht etwas in einem vor und manches geht einem nach.
Man wird vom Seniorenbund angesprochen, einzutreten, was einem anfangs sehr angeht, bis einem aufgeht, dass man ja nun wirklich dazugehört.
Es geht.
Man geht ein in der Größe und auf in der Breite.
Man geht vor den Jugendlichen durch die Tür und hinten nach, wenn man mit ihnen spazieren geht.
Man geht unter, wenn man sich nicht von dem trennen kann, was nicht mehr geht und geht beschaulicher, wenn man sich damit abfindet.
Und es geht überhaupt nur gut, wenn man sich dem anvertraut und überantwortet, der immer da ist, der uns liebt und dem wir alles verdanken, die schönen Seiten unseres Lebens, die gelungenen und auch unsere Fehler, unsere Defizite und Leiden, durch die wir eigentlich erst in seine Nähe gelangen.
Und deshalb ist das Altwerden eine Gnade: Weil es uns mit unseren Defiziten konfrontiert, uns zum Loslassen zwingt und so die Möglichkeit eröffnet, das eigene kleine Ego gehen zu lassen und in eine viel tiefere Erfahrung einzugehen.
In diesem Sinne: Es geht. Es geht gut. Es geht mir gut.

Gott sei Dank.

Integration

3. Jun 2013, 09:57
oder "Die Ausländer raus!" - Ballade

Harnoncourt, Simonischek,
Zilk, Moretti, Ofwczarek,
Faymann, Cap und Schwabenitzky,
Voves, Plassnik und Vranitzky.

Wrabetz, Strache, Alaba,
Pezzey und Koncilia,
Pogatetz und Ivanschitz,
Janko und Arnautović,

Vilimsky und Dolinschek,
Streeruwitz und Jelinek,
Vassilakou, Petrovic,
Rilke, Kafka, Festetics.
Resetarits, Vitásek,
Watzlawik und Reznicek,
Nestroy, Horvath, Markovics,
Paula von Preradović.

Christoph Waltz und Heinz Kuttin,
Handke, Musil, Hans Molin,
Kreisky, Lauda, Novotny,
ich heiß Newerkla – und Sie?

31.05.2013